{"id":2671,"date":"2015-11-04T11:07:52","date_gmt":"2015-11-04T11:07:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/?p=2671"},"modified":"2021-12-29T20:44:00","modified_gmt":"2021-12-29T19:44:00","slug":"organisches-design","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/?p=2671","title":{"rendered":"Organisches Design"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2675\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113705_270.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2675\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2675\" src=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113705_270-300x169.jpg\" alt=\"Design by nature 1\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113705_270-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113705_270-150x84.jpg 150w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113705_270-400x225.jpg 400w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113705_270.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2675\" class=\"wp-caption-text\">Design by nature 1<\/p><\/div>\n<p>Erstaunlich auf was man beim Surfen manchmal zuf\u00e4llig st\u00f6sst: Eine Seite zum Thema <a href=\"http:\/\/www.urbanag.ws\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Urban Agriculture<\/a> f\u00fchrte mich zu einem Video von <a href=\"http:\/\/video.ted.com\/talk\/podcast\/2015\/None\/NeriOxman_2015-480p.mp4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neri Oxman<\/a>, das mich fasziniert und inspiriert hat. Dieses Video hat mich noch mehr ber\u00fchrt als die ber\u00fchmte Rede von Steve Jobs.<\/p>\n<p>Seither purzelt ein Kaleidoskop von Ideen zu 3D-Druck, organischem Design, industrieller Revolution, neuen, abbaubaren Materialien und \u00c4nlichem in meinen Gehirnwindungen&nbsp;herum. In diesem Beitrag versuche ich, das kreative Chaos in meinem Kopf etwas zu ordnen und ein paar Ideen, die h\u00e4ngen geblieben sind, weiterzuspinnen.<\/p>\n<h3>Chitosan<\/h3>\n<div id=\"attachment_2683\" style=\"width: 179px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_114213_598.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2683\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2683\" src=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_114213_598-169x300.jpg\" alt=\"Design by Nature 2\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_114213_598-169x300.jpg 169w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_114213_598.jpg 450w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_114213_598-84x150.jpg 84w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_114213_598-400x711.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2683\" class=\"wp-caption-text\">Design by Nature 2<\/p><\/div>\n<p>Chitosan ist eine aus Chitin hergestellte Paste, die f\u00fcr den 3D-Druck genutzt werden kann. Mit diesem Material lassen sich mit 3D-Druckern Produkte fertigen, die \u00e4hnlich<strong> leicht, belastbar und biologisch abbaubar<\/strong> sind wie Insektenfl\u00fcgel oder Krabbenpanzer. Dieser Gedankenfaden verleitet mich zu wilden Spekulationen, was man noch alles als Ausgangsmaterial f\u00fcr den 3D-Druck benutzen k\u00f6nnte: <strong>Schokolade<\/strong> (wieso f\u00e4llt mir das bloss als erstes ein), <strong>Zucker, <\/strong><strong>Fett<\/strong> oder <strong>St\u00e4rke<\/strong>. Jedes Mal, wenn ich mir an einer Kartoffel die Finger verbrenne, frage ich mich sowieso, warum wir nicht mit Kartoffeln Isolationsmaterial herstellen.<\/p>\n<p>Interessant sind nat\u00fcrlich auch nicht essbare Materialien wie Holz, Gips oder <strong>Lehm<\/strong>. Gerade letzteres befl\u00fcgelt meinen Erfinderinnengeist: <strong>Ein 3D-Drucker, der unmittelbar vor dem Spritzen Wasser und Lehmpulver mischt<\/strong>, m\u00fcsste ja eigentlich nicht schwieriger zu konstruieren sein als ein Drucker, der Filament erhitzt. In der Kaffeemaschinenindustrie d\u00fcrfte das notwendige Wissen f\u00fcr eine solche Fertigung vorhanden sein. Und falls Sie das jetzt eine absolut hirnverbrannte Idee finden: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stratasys\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stratasys<\/a>, mittlerweile ein Konzern mit fast 3000 Mitarbeiter\/innen, ist entstanden, weil der Gr\u00fcnder <strong>Scott Crump<\/strong> 1988 mit einer Heisskleberpistole f\u00fcr seine Tochter einen Spielzeugfrosch basteln wollte. So erz\u00e4hlt es zumindest Wikipedia.<\/p>\n<h3>Analyse, Modellierung und Herstellung in einem einzigen Prozess<\/h3>\n<div id=\"attachment_2680\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113931_971.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2680\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2680\" src=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113931_971-300x169.jpg\" alt=\"Design by Nature 3\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113931_971-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113931_971-150x84.jpg 150w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113931_971-400x225.jpg 400w, https:\/\/blog.ecotronics.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/rps20151104_113931_971.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2680\" class=\"wp-caption-text\">Design by Nature 3<\/p><\/div>\n<p>Am Beispiel eines H\u00fcftgelenks erl\u00e4utert Oxman, wie die<strong> Natur Dinge nach einem ganz anderem Prinzip erschafft<\/strong> als jenem, nach dem wir seit der Erfindung der Massenproduktion durch Henry Ford unsere arbeitsteilige Industrie aufgebaut haben. In der Industrie setzt man Produkte aus Einzelteilen zusammen, von denen jedes im Normalfall aus einem homogen verarbeiteten Material besteht. In der belebten Natur dagegen wachsen Organismen, indem sie <strong>Grundmaterialien strukturell variieren<\/strong>.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es auch in der heutigen Welt Prozesse, die durchaus so stattfinden, wie Oxman dies beschreibt: Ein <strong>Kunstmaler<\/strong> erschafft auf diese Art ein Werk (so stelle ich mir das zumindest vor). Und auch auf meinem eigenem Gebiet ist mir diese Vorgehensweise vertraut: In einem kleinem Softwarehaus werden <strong>Erweiterungen der Funktionalit\u00e4t in Webprojekten<\/strong> oft genau auf diese Weise gemacht. Ich analysiere die neue Anforderung des Kunden, erstelle vielleicht auf Papier ein Diagramm zur Ablaufsteuerung, beginne mit der Umsetzung und merke w\u00e4hrend der Programmierung, welche weiteren Punkte ich noch beachten muss. Wenn ein Schritt zu kompliziert wird, greife ich wieder zu Papier und Bleistift, um mir den Ablauf zu verdeutlichen. Dazwischen rufe ich st\u00e4ndig die entstehenden Seiten auf, um die Funktionalit\u00e4t zu testen und eventuell anzupassen. <strong>Analyse, Modellierung, Produktion und Testen gehen in sehr kurzen Zyklen ineinander \u00fcber<\/strong>.<\/p>\n<p>Typisch f\u00fcr die zwei Beispiele, die ich soeben gebracht habe, ist, dass das Produkt zwar auch eine materielle Komponente hat, aber die Essenz des Gutes <strong>Information<\/strong> ist: Es sind nicht die auf einer Festplatte eingravierten Bits, die ein Kunde als Software kauft. Und die Kunstsammlerin interessiert sich wohl nur ganz am Rande f\u00fcr die Mengen an Farbe und Leinwand, die in einem Bild verarbeitet wurden.<\/p>\n<p>Ein materieller Prozess, der <strong>Analyse, Modellierung, Herstellung und Testen integriert<\/strong>, ist das <strong>Kochen<\/strong>. Rezepte kann man als Modelle betrachten. Aber auch Kenntnisse \u00fcber chemische Prozesse sind eine Art Modelle. Ich denke zum Beispiel an das Alltagswissen, dass man eine Sauce mit Mehl binden kann. Das ist nichts anderes als ein gedankliches Modell, wie man durch Zugabe von gewissen Stoffen und Hitze die Konsistenz einer Fl\u00fcssigkeit \u00e4ndern kann. Vor der Zubereitung der Mahlzeit analysiert man die vorhanden Ressourcen: Nicht nur die Zutaten, sondern auch Zeit und vorhandenen Werkzeuge (Ach die grosse Pfanne steht ja noch mit den Resten von gestern im K\u00fchlschrank). W\u00e4hrend des Kochens \u00fcberpr\u00fcft die K\u00f6chin den Prozess, indem sie in die Pfanne schaut (visueller Sensor), r\u00fchrt (Konsistenz\u00fcberpr\u00fcfung), auf den Geruch reagiert oder probiert. Je nach Ergebnis wird der Prozess angepasst: Etwas mehr Fl\u00fcssigkeit, etwas weniger Hitze etc. Na, das ist doch mal was: Das Heimchen am Herd als Vorreiterin eines neuen industriellen Paradigmas!<\/p>\n<h3>Hemmnisse<\/h3>\n<p>Nach einem Tag&nbsp;der Musse &#8211; ich habe ihn mit Lesen, Googeln, Denken und Blog schreiben verbracht &#8211; ist die anf\u00e4ngliche Begeisterung einer gewissen Ern\u00fcchterung gewichen. <strong>Stratasys<\/strong>, die von Oxman immer wieder erw\u00e4hnte 3D-Drucker-Firma, hat <strong>heute Morgen ihren Quartalsbericht ver\u00f6ffentlicht<\/strong>, mit sage und schreibe <strong>fast einer Milliarde Verlust<\/strong>, worauf der B\u00f6rsenkurs &#8211; drei Mal d\u00fcrfen Sie raten &#8211; kr\u00e4ftig angezogen hat. Wenn eine Milliarde Verlust von der B\u00f6rse als gute Nachricht aufgenommen wird, dann m\u00f6chte ich nicht wissen, wie&nbsp;die Zahlen bei einer schlechten Nachricht aussehen. Da verstehe einer die B\u00f6rsen!<\/p>\n<p>Auch bei Oxman ist mir aufgefallen, dass sie an sehr vielen verschiedenen Projekten und Produkten beteiligt ist, die <strong>gelobt und mit Preisen \u00fcberh\u00e4uft<\/strong> werden, um <strong>anschliessend in einem renommierten Museum<\/strong> zu <strong>verschwinden<\/strong>. Bis jetzt habe ich keinen Beleg gefunden, <strong>dass&nbsp;von irgendeinem dieser Produkte mehr als ein einziges Exemplar produziert wurde<\/strong>. Am Beispiel der &#8220;<strong>carpal skin<\/strong>&#8221; habe ich mir das etwas genauer angesehen: Die carpal skin ist eine mit dem 3D-Drucker erstellte&nbsp;St\u00fctzmanschette, die&nbsp;dem individuellen Schmerzprofil eines Patienten angepasst wird, um die Beschwerden&nbsp;beim Karpaltunnelsyndrom zu behandeln. Das Projekt entstand 2010, d.h. vor f\u00fcnf Jahren. In dieser Zeit m\u00fcsste man doch&nbsp;ein paar Schritte weiter in Richtung&nbsp;praktischer Umsetzung gekommen sein. Ich habe im Web keine heisse Spur gefunden, dass irgend etwas derartiges&nbsp;passiert ist. \u00dcber Gr\u00fcnde kann ich nur spekulieren: Vielleicht funktioniert die Manschette&nbsp;schlicht nicht wie vorgesehen? Oder eine Weiterentwicklung bis zur Praxisreife wurde gar nie angestrebt? Am wahrscheinlichsten ist, dass die Vorteile einer solchen Behandlung gegen\u00fcber bisherigen Therapien nicht so viel gr\u00f6sser&nbsp;sind, als dass sich die Mehrkosten rechtfertigen. Oder um es etwas sozialkritischer zu formulieren: Diejenigen, welche eine solche Manschette n\u00f6tig h\u00e4tten, k\u00f6nnen sie nicht bezahlen. Produktion richtet sich in einer kapitalistischen \u00d6konomie&nbsp;ja nicht an den Bed\u00fcrfnissen, sondern an der Zahlungsbereitschaft aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p id=\"caption-attachment-2675\" class=\"wp-caption-text\">Design by nature 1<\/p>\n<p>Erstaunlich auf was man beim Surfen manchmal zuf\u00e4llig st\u00f6sst: Eine Seite zum Thema Urban Agriculture f\u00fchrte mich zu einem Video von Neri Oxman, das mich fasziniert und inspiriert hat. 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